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Klares Nein von Absolventen zur anonymisierten Bewerbung

Monday, 31. January 2011

Absolventen stehen der anonymisierten Bewerbung mehrheitlich kritisch gegenüber. Sie haben  große Befürchtungen, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte und aus der angestrebten Chancengleichheit für die Bewerber nur Nachteile entstehen

Die Jobbörse für Quereinsteiger TalentFrogs führte bundesweit eine Befragung zur anonymisierten Bewerbung unter 581 Studenten im letzten Semester durch. Sie wurden befragt, ob sie sich von einer anonymisierten Bewerbung eher Vorteile oder Nachteile versprächen. Fast 80 Prozent betrachten den auch auf Arbeitgeberseite heftig diskutierten Modellversuch ganz klar als Nachteil.

Die meisten Befragten sind sich unabhängig von ihrem Geschlecht einig: Sie sehen in einer Bewerbung mehr als nur die Darstellung ihrer fachlichen Qualifikationen. Den meisten geht es bei der Bewerbung darum, ihre eigene Person darzustellen und sich zu präsentieren. Dabei werden der Ausschluss von Informationen wie beispielsweise zum Alter, Geschlecht und Familienstand sowie das Weglassen eines Fotos als großer Nachteil empfunden.

Ein Teil der befragten Studentinnen gaben an, dass die anonymisierte Bewerbung Bewerberinnen für einen Job im öffentlichen Dienst ganz klar benachteiligt, da bei Stellenausschreibungen für den öffentlichen Dienst Frauen bei gleicher Qualifikation männlichen Bewerbern gegenüber bevorzugt werden. Das Gleiche gilt für eine Bewerbung bei Unternehmen mit Frauenquote.

In den Augen des Personalers sind alle Bewerber gleich

Tuesday, 31. August 2010

Unter der Federführung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die dem Bundesfamilienministerium unterstellt ist, nehmen fünf Unternehmen am Pilotprojekt zum anonymisierten Bewerbungsverfahren teil. Mit von der Partie sind die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, L’Oreal, Mydays und Procter & Gamble. Ein Jahr lang werden die beteiligten Unternehmen anonymisierte Bewerbungsverfahren testen, also ohne Foto, Namen und Angaben zum Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand.

Das Pilotprojekt soll im Herbst 2010 starten und zwölf Monate durchgeführt werden. Der Versuch Pilotprojekt wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und anschließend ausgewertet. Andere europäische Staaten wie Schweden, Frankreich, Belgien und Großbritannien haben solche Modellversuche bereits begonnen beziehungsweiseabgeschlossen.

Nach Ansicht von Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sollte deutschlandweit ein einheitliches, anonymisiertes Bewerbungsverfahren gelten, um eine allgemeine Chancengleichheit zu gewährleisten. Sie verweist auf eine beim IZA erschienene Studie von 2010, wonach die Angabe eines türkisch klingenden Namens die Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch für einen Praktikumsplatz verringert – im Durchschnitt um 14 Prozent, bei kleineren Unternehmen sogar um 24 Prozent. Bei der IZA-Untersuchung (Institut zur Zukunft der Arbeit) wurden Bewerbungen für Praktikumsplätze verschickt. “Wir gehen davon aus, dass die Diskriminierungsquote bei Stellenausschreibungen – vor allem im niedrigqualifizierten Bereich – deutlich höher liegt”, sagte Lüders. “Aber es kann nicht sein, dass Bewerberinnen und Bewerber oftmals nur auf Grund ihres Namens oder ihres Alters keine erste Chance erhalten. Entscheidend für die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber sollte nur die Qualifikation sein. Wir brauchen in Deutschland eine neue Bewerbungskultur.”

Ich freue mich auf Eure Kommentare und bin gespannt, was die Leser des JOBSUMA-Blogs von der anonymisierten Bewerbung halten.